Glaube ohne Werke ist tot

Wenn man die Protestantische Lehre von der Rechtfertigung liest (siehe Blogeintrag vom 23. November 2013), könnte man meinen, dass Werke des Gehorsams kein erforderlicher Teil im Leben eines Christen sind. Wenn wir aus Glaube allein völlig gerechtfertigt vor Gott stehen können, warum sollten wir dann noch gute Werke tun? Warum sollten wir täglich den Kampf gegen die Sünde kämpfen? Warum sollten wir den Preis der Nachfolge auf uns nehmen (siehe Blogeintrag vom 19. Oktober 2013)? Warum sollten wir im Gehorsam gegenüber der Schrift leben? Wir verstehen die biblische Lehre der Rechtfertigung erst richtig, wenn wir uns bewusst sind, dass der Glaube, der hier gefordert ist, ein lebendiger Glaube ist. Zwar kommt Rechtfertigung aus Glaube allein, dieser Glaube jedoch kommt nicht allein. Dies ist es was Jakobus meinte wenn er schrieb:

"So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein." (Jakobus 2:24)

Wenn unser Leben keine Werke des Gehorsams aufweist, müssen wir uns zu Recht fragen, ob unser Glaube echt ist oder ob wir uns lediglich etwas vormachen. Jakobus macht klar, dass es eine Art Glaube gibt, die nicht rettet (Jakobus 2:14-26). Wahrer, und somit rettender Glaube, wird sich unweigerlich in Werken des Gehorsams ausdrücken.

Während Werke nicht die Grundlage unserer Rechtfertigung sind, sind sie doch die notwendige Folge davon. Die Wiedergeburt (siehe Blogeintrag vom 5. Oktober 2013), die jeder Gläubige durch das souveräne Wirken des Heiligen Geistes erlebt hat, ermöglicht es uns an die Gute Nachricht von Jesus Christus zu glauben. Dies bringt nicht "nur" vollständige Rechtfertigung in Gottes Augen mit sich, sondern auch eine neue Identität und somit ein verändertes Leben. Der selbe Geist der in uns Glauben schafft, ermächtigt uns in den guten Werken zu wandeln, die Gott für uns vorbereitet hat (Epheser 2:10).

In seinem Büchlein Rechtfertigung durch Glauben allein (erhältlich auf Deutsch vom 3L Verlag) vergleicht R.C. Sproul die beiden Lehren wie folgt:

Glaube + Werke = Rechtfertigung (Katholische Lehre)

Glaube = Rechtfertigung + Werke (Protestantische Lehre)

In dieser Darstellung wird deutlich, dass Werke auch in der biblischen Rechtfertigungslehre erforderlich sind. Sie sind jedoch eine Auswirkung des Glaubens und eine Antwort des Christen auf die erfahrene Gnade Gottes und nicht ein Preis für die Rettung. Werke des Gehorsams können niemals neues Leben schaffen, doch das neue Leben drückt sich in diesen Werken aus.

Im gleichen Büchlein stellt Sproul eine weitere Lehre dar, die heute unter Christen stark verbreitet zu sein scheint: die Antinomistische Lehre der Rechtfertigung. Dieser Begriff bedeutet wörtlich "gegen (anti) das Gesetz (nomos)" und lehrt, dass im Leben eines Christen Gehorsam (Werke) zwar erwünscht, jedoch nicht erforderlich sind. Oft ist auch von fleischlichen (ungehorsamen) und geistlichen (gehorsamen) Christen die Rede. Sproul stellt die Lehre wie folgt dar:

Glaube = Rechtfertigung - Werke

Mit dem Anliegen das biblische Evangelium zu verteidigen und vor einer Werksgerechtigkeit zu bewahren, vertreten Antinomisten die Ansicht, dass auch ein Glaube, dem keine Werke folgen, rettend ist. Dies ist bedauerlich, denn so wird nicht nur die lebensverändernde Kraft des Evangeliums verleugnet, sondern auch etlichen Menschen eine falsche Heilsgewissheit zugesprochen. Denn, wie die Bibel deutlich macht, "gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne die Werke tot." (Jakobus 2:26).

Die Bibel lehrt, dass alle die auf das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus vertrauen, in Gottes Augen gerechtfertigt werden. Als vor Gott gerechtfertigte, betrachtet der Schöpfer und Richter dieser Welt nicht mehr unser sündhaftes Leben, sondern rechnet uns die vollkommene Gerechtigkeit und Sündlosigkeit seines Sohnes an. Doch die Bibel lehrt auch, dass die Wiedergeburt, die jeder Christ erfahren hat, eine Geburt zu neuem Leben ist und somit unser Leben unweigerlich von Gottes verändernder Gnade Zeugnis geben wird.