Die Gerechtigkeit Gottes

Wie kann ein sündiger Mensch vor dem gerechten Gott bestehen? Diese Frage beschäftigte Martin Luther, damals Augustinischer Mönch und Professor für Theologie. Bevor er diese Frage für sich beantworten konnte, wurde er durch das Bewusstsein seiner Sündhaftigkeit sowie der absoluten Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes an den Rand der Verzweiflung gebracht. Trotz regelmässiger Beichte konnte er die Stimme seines Gewissens einfach nicht zum Schweigen bringen. Dies änderte sich, als er eines Tages in der Bibel den Kern des Evangeliums entdeckte: Die Gerechtigkeit Gottes kommt aus Glauben. Im Römerbrief schreibt Paulus:

"Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist Gottes Kraft zur Errettung für jeden, der glaubt, zuerst für den Juden, dann auch für den Griechen; denn es wird darin geoffenbart die Gerechtigkeit Gottes aus Glauben zum Glauben, wie geschrieben steht: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." (Römer 1:16-17)

Luther's Leben wurde für immer verändert, als er entdeckte, dass sich hier "Gerechtigkeit Gottes" nicht auf die Eigenschaft Gottes bezieht, sondern auf die Gerechtigkeit, die Gott gibt. Diese Gerechtigkeit wurde im Evangelium offenbart und wird uns aus Glauben zuteil. Jesus Christus, der Sohn Gottes, lebte nicht nur ohne Sünde sondern lebte ein Leben in völligem Gehorsam zu seinem Vater. Als der neue Adam, und wie niemand vor oder nach ihm, vollbrachte er das Gesetz Gottes vollkommen. Diese Gerechtigkeit, rechnet Gott jetzt jedem Menschen an, der sich im Glauben auf das vollbrachte Werk von Jesus Christus (sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung) verlässt. Die Gerechtigkeit, mit der jemand vor Gott bestehen kann, ist also eine Gerechtigkeit ausserhalb von uns selbst.

Die Katholische Kirche, im Gegensatz, lehrte (und lehrt), dass Jesus Christus zwar die Grundlage unserer Rechtfertigung ist, wir jedoch, nachdem wir glauben, gute Werke hinzufügen um tatsächlich gerecht zu werden. Gläubigen wird versichert, dass solange sie glauben und ihr Bestes geben, sie Gottes Gnade erfahren werden. Ihre eigene Gerechtigkeit (so gut es geht), zusammen mit ihrem Glauben, resultiert in der Annahme Gottes. Die Gerechtigkeit, mit der jemand vor Gott bestehen kann, ist laut Katholischer Lehre, also eine tatsächliche, wenn in diesem Leben auch nicht vollkommene, Gerechtigkeit.

Luthers Problem mit der Katholischen Lehre der Rechtfertigung war, dass jemand nie mit Sicherheit wissen konnte, ob in seinem Leben genügend Werke vorhanden sind. Dazu kommt, dass auch unser bester Eifer nichtig erscheint im Vergleich zur immensen Schuld, die wir vor Gott haben. Für ihn war klar: Die Bibel lehrt, dass unsere Gerechtigkeit nur aus Glauben und ohne jegliche Werke kommt. In seinem Werk Von der Freiheit eines Christenmenschen schrieb er deshalb, dass wenn gute Werke getan werden um Gerechtigkeit zu erlangen, diese nicht mehr gute sondern verdammende Werke sind.

Einzig der Glaube an eine Gerechtigkeit ausserhalb von uns selber war es, was Luthers Gewissen zur Ruhe bringen konnte. Und dieser Glaube ist es auch heute noch, der alleine Vermag uns mit Gott zu versöhnen.